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John Williams: Stoner

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Stoner erschien erstmals 1967, es gab viel positive Resonanz, aber dann verschwand das Werk nach kurzer Zeit in der Vergessenheit. Zu Unrecht, denn der Roman hält meiner Meinung nach Vergleichen mit Werken von Steinbeck, Fitzgerald oder Faulkner stand. Nun wird Stoner wieder verlegt und das ist gut so.
Cover des Buches John Williams Stoner1 128x200Ich habe den Roman gern gelesen, auch wenn der Protagonist William Stoner nicht gerade eine Stimmungskanone ist. Im Gegenteil, er ist ein ruhiger, in sich gekehrter Zeitgenosse, mit dem es das Leben nicht wirklich gut meint. Trotzdem bleibt Stoner am Ball; vor allem seine bedingungslose Liebe zur Literatur lässt ihn sämtliche Widrigkeiten ertragen. Und das lässt mit ihm mitleiden und macht ihn sehr sympathisch.
1891 in ärmsten Verhältnissen geboren, scheint Stoner eine Zukunft als hart arbeitender Farmer bestimmt. Mit fast stoischer Beharrlichkeit und der Überzeugung, ohne Literatur nicht leben zu können, kämpft er sich jedoch durch sein Leben und schafft den Aufstieg zum Professor der Literatur. Er heiratet seine vermeintliche Traumfrau und muss nach kurzer Zeit feststellen, dass die Ehe ihn an eine zänkische Furie zum-an-die-Wand-Knallen bindet. Seine Tochter und seine Arbeit sind die einzigen fragilen Glücksmomente in Stoners Leben. Von Kollegen mit freundlicher Herablassung herabgewürdigt, von bornierten Studenten nicht ernst genommen. Man fragt sich, wie der Mann das schafft. Selbst die einzige wahre Liebe in seinem Leben ist die zu einer Studentin und somit nicht wirklich mit der Aussicht auf Langlebigkeit gesegnet. Zudem überlebt Stoner zwei Weltkriege und ein Amtsenthebungsverfahren, dass ein enttäuschter, boshafter Student gegen ihn angeleiert hat. Alles in allem die gelebte Katastrophe.
Und dennoch ist und bleibt Stoner so etwas wie ein pragmatischer Optimist und hängt mit jeder Faser an seinem Leben, das ihm wieder und wieder eine reinhaut. Ihn zeichnen eine grenzenlose Geduld, Güte und die Liebe zu seiner Profession aus, der Literatur. Für sie hat Stoner ein unübertreffliches Gespür, sie gibt ihm die Kraft zur Zuversicht und Hoffnung auf bessere Zeiten. Er ist in der Lage, die heftigsten Angriffe und Verfehlungen zu verzeihen, er entsagt seiner einzigen wahren Liebe und daraus schöpft er auch die Kraft, sich seinen Widersachern zu stellen und sie letztendlich in ihre Schranken zu verweisen. Dennoch ist Stoner sich bewußt, dass Menschen wie er nach ihrem Ableben keinen großen Eindruck hinterlassen. Doch das ist auch nicht sein Ziel. Rechtschaffen zu leben und das Leben der Literatur zu widmen, darin sieht er seine Aufgabe.
Von Stoners Fähigkeit, den Unfreundlichkeiten des Lebens durch Zähigkeit, Güte und Geduld die Stirn zu bieten, würde ich mir gern eine Scheibe abschneiden. Man neigt dazu, beim Lesen Mitleid mit ihm zu haben, aber das würde ihm nicht gerecht.

Trotz allem Ungemach ein tolles Buch!

Originaltitel: Stoner
Übersetzt von Bernhard Robben

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Cover des Buches Stoner von John Williams

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