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Die Köln-Marathon Challenge, Teil 3

geschrieben am von & abgelegt unter In der Mayerschen.

Freitag, 26. Juli:
Heute auf dem Plan stand ein lockerer 12km Dauerlauf. Es ist ziemlich schwül, die Strecke schon zig mal gelaufen, meine Gedanken schweifen unglaublich schnell ab, so dass ich wie von selbst laufe. Cover des Buches Marathon 200x133In einem Moment habe ich noch im Büro gesessen und gearbeitet, im nächsten Moment (Es fühlte sich an, als hätte jemand im TV-Programm einfach den Sender gewechselt) jogge ich schon durch einen menschenleeren Wald.

Vielen sind die Temperaturen einfach zu unangenehm, um sich vor die Tür zu wagen. Am Wochenende waren Spitzenwerte angekündigt, bis zu 40°C sollten in einigen Teilen des Landes erreicht werden. Ausgerechnet dann, wenn ich meinen längsten Lauf in der Woche absolvieren musste.

Die fehlenden Jogger irritierten mich aber doch etwas: Hatten sie sich versteckt? Und wo waren die Spaziergänger mit ihren Hunden?
Cover des Buches Tribute von Panem Toedliche SpieleLauerten sie hinter dem nächsten Baum? Ich musste an Katniss Everdeen („Tribute von Panem“ bzw „Hunger Games“) denken, wie sie mit Pfeil und Bogen bewaffnet durch den Wald hetzt. Die Buchtrilogie von Suzanne Collins und auch der erste Kinofilm erregten viel Aufsehen. Die Dystopie spielt im ehemaligen Nordamerika, welches nun Panem heißt und autoritär vom Kapitol regiert wird. Jedes Jahr müssen 12 Paare von Jugendlichen an tödlichen Gladiatorenspielen teilnehmen, deren Zweck es ist, das Volk gefügig zu halten. Als die junge Prim antreten soll, nimmt ihre Schwester Katniss freiwillig ihren Platz ein. Zusammen mit Peeta muss sie zahlreiche Gefahren meistern, das Überleben liegt auf Messers Schneide.
Im November kommt endlich der heiß ersehnte zweite Teil mit der sympathischen Jennifer Lawrence in die Kinos, allerdings finden sich im Buch noch viel mehr Details.

Während ich grübelte, welche Filme für dieses Jahr denn noch so anstehen, kamen mir endlich auch die ersten Jogger entgegen. Also keine Hinterhalte, welche Katniss oder auch John Rambo überwinden mussten. Der gute John wurde auch immer durch die Landschaft gejagt. Als Kind durchstreifte ich mit einem Freund die Gegend, es ging durch sämtliche Gärten und Wälder. Selbstverständlich durchlebten wir gefährliche Missionen, mussten gefährliche Situationen bestehen und legten dabei unbewusst sicher auch ordentliche Distanzen zurück.

Bei Will und Lee war es ähnlich:
Cover des Buches Son of Rambow 146x200Eines Sommers nämlich beschlossen die beiden Freunde, den Film Rambo nachzudrehen. Im Geheimen, selbstverständlich, denn Will war es verboten, Actionfilme anzusehen. So taten sich also der Schulrabauke und der Junge aus gutem Hause zusammen, um einen richtigen Film zu drehen. Dazu nutzten sie verbotenerweise die Kamera von Lee’s Bruder, in der Hoffnung, bei einem Wettbewerb der BBC zu gewinnen. Nun, die nachfolgenden Konflikte waren vorprogrammiert.
Zu sehen ist das Ganze in „Son of Rambow“, einer wunderbaren Hommage an die Kindheit der 80er Jahre. Regisseur Garth Jennings und Producer Will Goldsmith setzten das Ganze liebevoll in Szene und waren auch schon für tolle Musikvideos von Fatboy Slim, Vampire Weekend oder auch Blur’s niedlichem Clip „Coffee & TV“ verantwortlich.

Ihr ahnt es und es war tatsächlich so, dass mir während des Laufens eine Menge durch den Kopf ging und als ich einen Großteil meiner Strecke hinter mich gebracht hatte, befand ich mich schließlich auf dem Nachhauseweg.
Nun habe ich hier bereits schon einige Helden erwähnt, aber einen Tipp möchte ich Euch noch mitgeben (denn alle guten Dinge sind bekanntlich Drei):
“Long Walk Home”
Cover des Buches Long Walk Home 140x200Australien faszinierte mich eigentlich schon immer, die Landschaft ist einfach überwältigend und ein Wunsch von mir ist es, eines Tages auch an einem Lauf durch den roten Kontinent teilzunehmen.
Aber mal ehrlich, wer kennt sich mit der Geschichte des Landes aus? Gewisse Kapitel, einige Eckdaten kannte ich, aber vieles lag für mich noch im Dunkeln. So auch die „Lost Generation“.
Der eindrucksvolle Film „Long Walk Home“ beleuchtet ein finsteres Kapitel der australischen Geschichte, welches vielen unbekannt sein dürfte. In den 30er Jahren wurden Mischlingskinder von ihren Müttern getrennt und der Aborigine Kultur entrissen, um im Umerziehungslager Moore River die Werte der weißen Gesellschaft zu lernen. Tausende Kinder waren betroffen, so auch die 14-järige Molly. Zusammen mit ihrer kleinen Schwester Daisy und Cousine Graice sollten sie eine Ausbildung als Diener, Boten und Haushälterinnen erhalten. Verstöße gegen die Heimordnung wurden schwer geahndet, Fluchtversuche drakonisch bestraft.
Trotzdem beschloss das Trio den Ausbruch: Allerdings lagen 1500 Meilen vor ihnen, welche sie zu Fuß zurücklegen mussten. Sie orientierten sich an dem Zaun, der Australien teilt und eine Verbreitung der Kaninchen über das gesamte Land verhindern soll: Der Rabbit-Proof-Fence. Nun wanderten drei Kinder allein in der Wildnis, von Wächtern des Camps gehetzt und angetrieben vom festen Entschluss, wieder nach Hause nach Jigalong zu gelangen.
So schockierend die Hintergründe der Geschichte sind, so bewundernswert ist die Zielstrebigkeit und Verantwortung, welche Molly für die Gruppe übernahm.
Und während ich mich geistig noch in Australien befand, war ich auch schon wieder zu Hause angelangt. Aber 12 Kilometer verglichen mit 1500 Meilen wirken irgendwie lächerlich.

Sonntag, 28. Juli:
Heute sollte es heiß werden, richtig heiß. Das Eisfach war vorsorglich prall gefüllt und um einem Kreislaufkollaps zu entgehen, musste das Ausschlafen am Sonntag leider entfallen. Auf dem Plan standen 25 Kilometer im lockeren Tempo. Da es früh morgens losging, bewegte ich mich durch eine verlassene Welt und erst nach und nach wachte die Stadt auf. Es war ein schöner Lauf, fast schon entspannend.

Cover des Buches Musik im Kopf 140x200Hört Ihr eigentlich Musik beim Laufen?
Es gibt ja die verschiedensten Thesen, ob Musik nun zu besseren Leistungen verhilft oder nicht. Besucht man verschiedene Seiten im Netz, die sich mit Sport und speziell auch Ausdauerläufen beschäftigen, findet man fast auf jeder Seite eine neue Aussage: Die ganze Variation von Pro und Contra.
Eine interessante Buchempfehlung an dieser Stelle ist der Titel “Musik im Kopf”.

Was stellt Musik eigentlich mit uns an? Wie wirkt und beeinflusst sie uns?

Ich selbst laufe immer ohne Kopfhörer, da ich Ohrstöpsel unangenehm finde. Vor allem, wenn ich anfange zu schwitzen. Außerdem bekomme ich gerne meine Umgebung mit. Ich genieße es, den Geräuschen im Wald zu lauschen, habe es aber auch gerne, z.B. Mountainbiker schon zu bemerken, bevor sie mich im Affenzahn überholen.

Aber auch ohne mp3 Player geht mir der ein oder andere Song durch den Kopf:
Kate Bush’s “Running Up That Hill”, Iron Maiden’s “Run To The Hills” oder “Keep On Running” von der Spencer Davis Group haben passenderweise das Rennen schon im Titel, ideal finde ich allerdings Stücke mit schönem, antreibenden und gleichmäßigen Beat:
So unter anderem “Hey Boy, Hey Girl” der Chemical Brothers (welches sich auch in meinem Freundeskreis großer Beliebtheit erfreut), das elektronische Crescendo „Born Slippy“ von Underworld oder auch „Im Rhythmus bleiben“ von Front 242, in dem die Worte „Einatmen, ausatmen“ einem Mantra gleich wiederholt wird.
Derzeit ist aber mein absoluter Liebling „Run Boy Run“ von Woodkid.
Bevor ich nun langatmig versuche, diesen Song zu beschreiben, hört (und seht) ihn Euch am Besten einfach mal an:

“Run boy run! They’re trying to catch you / Run boy run! Running is a victory“

Dienstag, 30.Juli:
8 Kilometer gelaufen. Nicht viel Zeit, war fürs Kino verabredet.
Feierabend, schnell nach Hause, Haustür auf, umziehen, Haustür zu. Lockeres Tempo? Dafür reichte die Zeit nicht. Also rennen.

“Ich rannte… Ich rannte, bis meine Muskeln brannten und durch meine Venen Batteriesäure schoss. Dann rannte ich weiter.” (Fight Club)

Halbe Stunde später, Haustür wieder auf, umziehen, duschen, Haustür zu, zum Kino gehetzt und „Pacific Rim“ gesehen. Große, dicke, klobige Monster und Roboter. Irgendwie das Gegenteil vom zuvor absolvierten blitzschnellem Sportprogramm, aber durchaus amüsant.
Pacific Rim, Godzilla und Transformers Fans könnte diese Graphic Novel interessieren.

Mittwoch, 31.Juli:
Heute standen erneut 12km mit Zwischenspurts auf dem Programm, die mir alles abverlangt haben.

Locker angefangen, dann schnelles Tempo über verschiedene Distanzen, danach wieder lockeres Tempo und regenerieren. Kräfte sammeln für den nächsten Spurt. Die ständigen Wechsel schlauchten ganz schön. Heute ging es im Wald übrigens wie im Bahnhof zu: Viele andere Jogger, Radfahrer, Reiter und Spaziergänger waren unterwegs. Zum ersten Mal hatte ich leider auch eine unschöne Begegnung:
Ich überholte ein Pärchen, hatte vorher schon mit einem „Vorsicht bitte“ auf mich Aufmerksam gemacht, als 20 Meter weiter ein Hund aus dem Unterholz heraus auf bellend mich zu stürmte.
Hinter mir wurde der Hund gerufen, aber er hörte nicht. Angst vor Hunden habe ich nicht, aber Respekt, denn es handelte sich hier nicht um einen Chihuahua, sondern um ein mir bis zur Hüfte reichendes Prachtexemplar. Ich blieb stehen, da ich nicht weiterlaufen und dem Hund den Rücken zudrehen wollte, denn ich hatte keine Ahnung, wie er darauf reagieren würde. Die Hundehalter beeilten sich übrigens nicht, riefen nach wie vor halbherzig den Namen des Tieres, nach wie vor interessierte es diesen genauso wenig wie zuvor. Erst als ich selber laut wurde, trollte er sich schließlich. Denkt an Gandalfs „Du kommst nicht vorbei!“, dann habt ihr ungefähr Lautstärke und Ton.

Ich möchte betonen, dass ich noch nie solche problematischen Begegnungen mit Hunden hatte und es laufen mir ständig welche über den Weg. Ich selbst war sogar schon zusammen mit Husky joggen, hatte sie allerdings an der Leine und sorge dafür, dass sie anderen Läufern nicht in die Quere kam. Gut erzogen, wie sie ist, bellte sie auch niemanden an.
Jogger, Hundehalter, wie ist es mit Euch? Welche Erfahrungen habt ihr? Kann hier jemand Literatur empfehlen?

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