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Die Köln-Marathon Challenge, Teil 2

geschrieben am von & abgelegt unter In der Mayerschen.

Sonntag, 21. Juli:
Auf dem Plan stand ein lockerer Dauerlauf.
Gestartet bin ich im Frankenberger Viertel im Park, Ziel das Dreiländereck und dann natürlich auch wieder zurück. Die Gesamtstrecke betrug rund 16 Kilometer.
Cover des Buches Marathon 300x199Am Vorabend war ich noch auf einer Party, die mir ehrlich gesagt auch noch etwas in den Knochen steckte, die rund 31°C Außentemperatur, die sich wie die angestaute Hitze des Death Valley anfühlten, machten die Ausgangsituation auch nicht gerade angenehmer.

Summa Summarum also ganz tolle Voraussetzungen für ein Training mit Spaßgarantie.
Im Frankenberger Park picknickten diverse Leute, faulenzten, aßen Eis oder warfen Frisbee Scheiben durch die Gegend. Das alles erschien mir vernünftig und eigentlich sollte ich mich eher unter einen Baum setzen, chillen und etwas lesen. Aber ich hatte mir vorgenommen, das Training rigoros durchzuziehen. Ein Marathon läuft sich schließlich nicht von selbst und ich möchte auf gar keinen Fall kneifen. Also bin ich locker losgelaufen.

Ich trug ein ärmelloses Hemd, um einerseits endlich mal die deutlichen Kulturstreifen an meinen Armen loszuwerden, andererseits aber auch so wenig Gewicht wie möglich mit mir herum zu tragen.
Der erste Streckenabschnitt lief trotz Steigungen (wer in Aachen die Schanz kennt, weiß wovon ich spreche) problemlos, denn es ging durch die Stadt und die Häuser spendeten mir einigen Schatten.

Doch diesen Schutz musste ich verlassen, als ich von der Vaalser Straße in den Gemmenicher Weg einbog. Hier ist man größtenteils auf relativ offenem Feld unterwegs, die Hitze wurde zunehmend unbarmherziger.
Als es dann auch noch bergauf ging, musste ich an Lawrence von Arabien und seine Durchquerung der tödlichen Wüste Nefud denken. Ein weiteres passendes Zitat wurde im Prometheus verwendet:
“Der Trick ist es, sich nichts aus dem Schmerz zu machen.“
Also weiter, nicht aufgeben.

Die Sonne strahlte von oben, der Asphalt von unten, aber schließlich erreichte ich den Dreiländerweg und konnte in den Wald hinein laufen. Hier war es wie in einer anderen Welt, nicht unbedingt kühl, aber zumindest schattig. Das Schöne am Laufen sind die Beobachtungen, die man unterwegs machen kann. So konnte ich kurz vor dem Dreiländereck einen ausgewachsenen Hasen beobachten, der sich ins Gebüsch flüchtete. Ebenfalls entdeckte ich den neuangelegten Trail des Geländefahrrad Aachen e.V. : Für alle Mountainbiker ist dies sicher ein großer Spaß. Die Fahrer, die ich sah, fuhren johlend bergab.

Endlich oben am Dreiländereck angekommen, drehte ich eine Ehrenrunde, dann ging es auch schon wieder zurück. Bei dem Wetter sind vor allem die Aussichtsplattform und das Labyrinth beliebte Ausflugsziele. Auf dem Weg begegnete ich kaum Menschen, selbst Aachen glich eher einer Geisterstadt, aber hier war es voll. Ob es etwas umsonst gab? Ich konnte es nicht herausfinden, denn ich wollte mich wieder auf den nach Hause Weg machen.
Bergab ging das zunächst einfach. Als ich aus dem Wald heraus lief, kam es mir vor, als würde ich einen Backofen betreten. Immerhin hatte ich aber einen tollen Ausblick. Eine neue Qual gesellte sich zu den sommerlichen Temperaturen, die mich ausdörrten wie eine Rosine: Ich bekam Hunger.

Der Rückweg über die Vaalser Straße war furchtbar, denn in den zahlreichen Pizzerien und Dönerbuden roch es lecker. Und überall gab es gut sichtbar Kühlschränke mit verlockenden kalten Getränken, aber ich hatte kein Geld. Wenn ich also etwas trinken wollte, musste ich zu Hause ankommen. Auf Höhe des Hauptbahnhofs musste ich schließlich doch eine kurze Gehpause über ein paar hundert Meter einlegen, nachdem ich die gesamte bisherige Strecke im Lauftempo zurück gelegt hatte. Danach ging es erholt weiter und konnte auch den letzten Kilometer mit einigermaßen würdevoller Haltung zurücklegen. Ich lief direkt in die Dusche hinein, aß danach ein großes Eis und streckte den restlichen Tag alle Viere von mir.
Insgesamt war ich 95 Minuten unterwegs.

Montag, 22. Juli:
Es sind noch 12 Wochen bis zum Köln-Marathon. Heute stand wieder ein Trainingslauf an, allerdings weniger Kilometer bei weniger Außentemperatur.
Gestern erst noch bei Hitze 16 Kilometer gelaufen, heute der erste Arbeitstag nach dem Urlaub und ein Montag dazu. Diese Bedingungen allein können einen schon in die Knie zwingen, aber heute standen dazu noch 12 Kilometer lockerer Dauerlauf auf dem Programm.
Die gestrigen Umstände hatten mich ganz schön geschlaucht: Wenn ihr Euch 95 Minuten lang die heiße Luft eines Föns ins Gesicht pusten lasst, habt Ihr einen ungefähren Vergleich.
Das alles noch in bester Erinnerung, freute ich mich nicht schlecht über den Regenguss pünktlich zum Feierabend.

Als ich aber in Laufmontur vor die Tür ging, war dieser aber auch schon fast vollständig wieder verdunstet und die Luft war schwül. Ich lief los und bald schon ging es die Erzbergerallee hinauf.
Ich war mir sicher, dass die Straße heute steiler als sonst gewesen ist. Schnaubend und im gefühlten Schneckentempo ging es weiter, schließlich über den Eselsweg Richtung Wald.
Auf den Wiesen davor verdunstete der Regen, bildete Nebel und bot einen hübschen Anblick. Momente wie diese sind wie eine kleine Belohnung für die unternommenen Anstrengungen.

Im Wald war ich fast allein, es herrschte eine Atmosphäre wie in einem Regenwald. Manche Stellen sahen gar wie die Kulisse des Waldplaneten Endor aus (Star Wars: Episode VI – Die Rückkehr der Jedi-Ritter). Wäre mir ein Ewok begegnet, so hätte mich das kaum überrascht. Unweigerlich schweiften meine Gedanken ab. Da ich prinzipiell keine Musik während des Laufens höre, grübel ich unterwegs oft über die verschiedensten Dinge.
Wie schnell man wohl in einer Stormtrooper Rüstung laufen kann? Star Wars Fans gibt es überall, ob schon mal einer in vollem Cos Play einen Marathon gelaufen ist? Und gibt es eigentlich spezielle Laufschuhe für die Imperialen Truppen? Falls ja, wären das für einen Geek wie mich die richtigen Schuhe.

Das Laufen wurde zunehmend anstrengender und ich schwitzte wie ein Zyklop, aber ich kann das Tempo halten. Ich war weiterhin allein, bis ich ein Stück des Wegs von einer Libelle begleitet wurde. In der letzten von insgesamt 3 Runden begegneten mir nun auch endlich andere Läufer, welche ich alle höflich grüßte (Liebe Jogger: Immer Etikette wahren!). Meist nur mit einem Wink, da ein gesprochenes „Hallo“ kostbare Atemluft in Anspruch nehmen würde. Wahrscheinlich wäre ohnehin nur ein Krächzen über meine Lippen gekommen.
Dann ging es die Erzbergerallee wieder hinab: Da lief ich selbstverständlich wesentlich schneller, als hinauf, die Beine bewegten sich fast schon von alleine.
Ein Eichhörnchen kreuzte meinen Weg und sprang auf einen Baum. Ich mag solche Begegnungen!
Schließlich der letzte Kilometer: Fast zu Hause, hurra! Dann flog mir allerdings zu guter Letzt eine Fliege direkt in den offenen Mund. Es folgten unschöne Geräusche und Spucken wie ein Fußballprofi. Hoffentlich passiert das nicht in Köln…
Insgesamt war ich 65 Minuten unterwegs.

Mittwoch, 24.Juli:
Auf dem Trainingsplan standen 12 Kilometer in wechselndem Tempo, ich nahm mir also vor, die Strecke vom Montag in lockerer Geschwindigkeit und einigen Zwischenspurts zu laufen.
Am Dienstag hatte ich einen dringend benötigten Ruhetag, so dass ich heute einigermaßen ausgeruht starten konnte.
Das Wetter war nach einigen Regenfällen kühler als am Montag, aber die Luft dafür auch ganz schön schwül. Gefühlt bin ich eher geschwommen, als gelaufen.
Die Steigung am Streckenanfang bringt mich wieder ganz schön ins Schwitzen, aber da bin ich nicht allein, denn im Gegensatz zu den letzten Tagen waren heute auch endlich mal wieder viele andere Jogger unterwegs. Ich näherte mich dem Waldrand, noch nichtsahnend von der bevorstehenden Gefahr. Kaum hatte ich den Wald jedoch betreten, wurde ich von Monstern überfallen.

Wusstet ihr eigentlich, dass Mücken bevorzugt Menschen mit dunkler Kleidung befallen? Genau heute trug ich übrigens komplett schwarze Laufkleidung, also eine wandelnde Zielscheibe für Mücken.
So musste ich mir von Zeit zu Zeit wie beim Watschentanz auf Waden und Arme schlagen. - Wie gut, dass keine Mücke auf meinem Gesicht landete.
Von klatschenden Geräuschen begleitet, lief ich also weiter, bis sich der Wald etwas lichtete und eine Weide auftauchte.
Zuerst wunderte ich mich noch über die dunkle Färbung der Wiese und bevor ich den Grund dafür realisierte, traf mich gleich einer Wand der betörende Duft einer frisch gegüllten Weide.
Auf dem Plan stand wechselndes Tempo?

Ich beschloss, meinen ersten Spurt genau in dem Moment und an dieser Stelle zu beginnen. Das war Runde Nummer eins von insgesamt drei. Da ich also noch zweimal an diesem Ort vorbeilaufen musste, war mir klar, wo ich die weiteren Temposteigerungen in Angriff nehmen würde.
Spurten ist Geschwindigkeit pur, besonders, wenn man auf der Flucht ist (z.B. vor unangenehmen Gerüchen). Wer ist eigentlich der Schnellste? Bolt? Oder der Superheld Flash?
Ich erinnerte mich beim Lauf an die Serie „Lost“, in der Charlie und Hurly darüber streiten, ob nun Flash oder Superman schneller ist. Was meint ihr?
Insgesamt absolvierte ich die Trainingseinheit konsequent und kam klatschnass nach 58 Minuten wieder zu Hause an. Wie gut, dass ich prophylaktisch schon vor Wochen Schuhdeo gekauft habe.

Link zum ersten Teil der “Köln-Marathon Challenge”: [Klick]

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